Mehr als Religion

Das „Kulturland Kreis Höxter“­ beherbergt hinter hohen ­Mauern bedeutende Schätze der Vergangenheit. Das massive Mauerwerk trennt aber nicht, es bewahrt. Was sich heute dahinter tut, zeigt eine Rundreise durch die Klöster.

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Text & Fotos: Friederike Brauneck

Wer draußen nicht zurecht-kommt, hat es hier drinnen nicht leichter.“ Schwester Lucia lächelt sanft, aber bestimmt. Sie ist seit 23 Jahren hier in der Benediktinerinnen-Abtei vom Heiligen Kreuz Herstelle und gehört mit ihren 51 Jahren eher zu den jüngeren Mitgliedern. 30 Frauen zwischen 38 und 96 Jahren teilen hier aufs Engste ihr Leben und sorgen durch Verteilung der Aufgaben für ihren Unterhalt. Da kann es nicht immer reibungslos zugehen – wie im Leben „draußen“ auch. Das Gebot der Gastlichkeit im Sinne des heiligen Benedikt ist eine der Aufgaben der Schwestern. In ihrem Gästehaus bieten sie die Gelegenheit einer Auszeit. Viele Angebote, religiös oder weniger religiös, regen zum Nachdenken und zur inneren Einkehr an.

Das Kloster in Herstelle an der Weser ist eines von insgesamt 28 seiner Art im „Kulturland Kreis Höxter“, dem Dreilän­dereck zwischen Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen. Geschichte und Religion haben hier ganz eigene Kulturschätze entstehen lassen, die sich hinter jenen von ­Bayern oder Schwaben nicht zu verstecken brauchen. Und sie werden bewusst gepflegt oder auch wiederbelebt.

In der Abtei Marienmünster hat man sich als „Kloster der Klänge“ der Musik verschrieben. Hans Hermann Jansen von der Kulturstiftung Marienmünster führt die Gäste manchmal selbst. Mit Glück erlebt man in der Konzertscheune eine Kostprobe: Jansen fackelt nicht lange und rollt einen Flügel in die Mitte: Augenblicklich füllt sich der Raum mit Melodien – da möchte man gar nicht mehr weiterziehen. Dabei lohnt sich das unbedingt: Ein mittelalterlicher Kräutergarten, ein Hortulus, angelegt nach historischem Vorbild des St. Gallener Abts Walahfrid Strabo von der Insel Reichenau, bietet alles für eine Kostprobe aus der Hand von Gisela Reineke, Kräuterpädagogin und hier eine der Naturparkführerinnen. Auf rot-weiß kariertem Tischtuch wartet dunkles Dinkelbrot mit herzhaftem Wild­kräuterquark, gekrönt von den blauen Blütenblättern der Kornblumen. Nicht zögern, auch die kann man essen – denn wer sich auskennt, weiß: Wildpflanzen sind die ehrlichsten Lebensmittel. Schon die heilige Hildegard von Bingen, Benediktiner-Äbtissin und Kräuterfachfrau, sprach von der Grünkraft, die Verbindung zur Ewigkeit schafft. Wer sich nicht ganz sicher ist, ob er alles, was er am Wegesrand und auf Wiesen sieht, auch essen kann, ist bei einer Führung von Gisela Reineke oder ihren Kolleginnen richtig. Denn auch über die Heilkraft der Wildkräuter können die Damen etwas sagen – und natürlich über deren Grenzen.

Den kompletten Artikel erhalten Sie in Ausgabe 3/2018 von wanderlust. Hier können Sie das Magazin nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 03 / 2018

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