Auf Petuh-Schnack an der Förde

Schon mal Petuh gehört? Ein Jargon, der sich in Flensburg etablierte. Stadtführerin Ruth Rolke haucht dem Kulturgut als Emmi Hansen neues Leben ein. Nebenbei verrät sie, wie Kapitäne mit Rum und Zucker Wohlstand in Deutschlands nördlichste Stadt schifften.

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Text & Fotos: Beate Wand

Ruth Rolke rennt weg. Eben noch hatte die Stadtführerin einer Freundin an der Uferpromenade zugewunken und so was wie „die kommt immer zu spät, ich lauf ihr mal entgegen“ gemurmelt, nun ist sie verschwunden. Dafür baut sich im nächsten Moment eine etwas aus der Zeit gefallene Dame vor mir auf, die sich als Emilie Hansen vorstellt. Sie trägt einen kleinen schwarzen Hut, an dem die Hühnerfedern im Takt ihrer Kopfbewegungen nicken, fuchtelt mit weißen Häkelhandschuhen durch die Luft und redet so merkwürdig. Voll zischelnder „Sz“s, in schrägem Satzbau und mit leicht hektisch-hoher Stimme plappert sie ohne Pause: „Einen muss ja auch mal raus! Und ich szach letzt Tach zu mein Freundin: Marta, isz szon schöner Tach, wi szomma szehn un machen wieder schön a Petuh-Fahrt.“

Zum Glück hatte Ruth Rolke mich zuvor gewarnt, dass in Flensburg manch einer unter Sprachverwirrung litt, der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Welt kam. Der erste Krieg mit den Dänen war verloren. Die Kinder sprachen zu Hause Plattdeutsch, lernten auch Hochdeutsch, schnappten Plattdänisch auf. In der Schule lauschten sie ausschließlich dänischen Lehrern, die als Beamte des Königreichs unterrichteten. Nachdem der Deutsche Bund 1864 den Deutsch-Dänischen Krieg mit Hilfe von Preußen und Österreich gewann, war Südjütland bis über die heutige Staatsgrenze hinaus zwar wieder Deutsch beeinflusst. Doch da gründeten die vom sprachlichen Durcheinander Betroffenen schon Familien. Anfang des 20. Jahrhunderts waren deren Kinder aus dem Haus, die kernigen Mittelschicht-Mütter genossen viel Freizeit. Sie liebten es, nachmittags auf dem Salondampfer über die Förde zu schippern. „Weil sie ja sparsam waren, besaßen diese Damen eine Dauerkarte“, hatte Rolke verraten. Diese – zur Kaiserzeit war Französisch hip – „carte passe partout“ verballhornte die sprachlich bereits überforderte Generation zu „Petuhkarte“, ihre ­Besitzerinnen zu „Petuhtanten“, die natürlich „Petuh“ schnackten.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 01 / 2018

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