Sonnenwandern im Frankenwald

Im Frankenwald lohnt es sich, zugleich Nachteule und Frühaufsteher zu sein. Denn wer hier den ersten und letzten Sonnenstrahlen auf der Spur bleibt, wird mit romantischen Ausblicken auf die Hügel der oberfränkischen Landschaft belohnt. In Kronach und auf dem Hubertus-Weg kneifen wir beim Blick in die Sonne die Augen zu.

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Immer der Sonne nach im Frankenwald.
© Daniel Elke

Um kurz vor vier Uhr werde ich in meinem Zelt wach. Eigentlich sollte mich mein Handywecker um Punkt vier wecken, aber die innere Uhr hat wieder ganze Arbeit geleistet. Ich zwänge mich aus meinem Einmannzelt und rieche die frische Luft des Leitschtals. Hier, auf dem Trekkingplatz, habe ich am Vorabend in völliger Dunkelheit mein Zelt aufgeschlagen, ohne genau zu sehen, wie der Untergrund beschaffen ist oder ob die Umgebung passt. Es war einfach schon zu spät, denn ich habe die letzen Sonnenstrahlen beim Ausblick vom Birnbaumer Aus- sichtsturm genossen. Und an diesem Morgen möchte ich auch die ersten Sonnenstrahlen des Tages genießen. Denn hier im Franken- wald sollen Frühaufsteher nicht selten mit fantastischen Sonnen- aufgängen belohnt werden.

Mit der Kopflampe durch den Wald

Mein Ziel ist es, vor dem Sonnenaufgang den Nurner Brocken zu erreichen, eine Steinaufschüttung nahe dem namensgebenden Örtchen Nurn, mit einem fantastischen Blick über die Hügel und Täler der Region. Mit meiner Kopflampe wandere ich über einen Forstweg durch dichten Wald den Hang hinauf. Das erste blaue Licht des Tages dämmert schon am Himmel, und ich frage mich, ob ich mein Ziel noch rechtzeitig erreichen werde. Die Route, der ich folge, ist der Hubertus-Weg. Dieser ist ein Rundwanderweg, der durch die Wälder rings um Nurn führt, aber auch um eine weitere Sehenswürdigkeit der Region, der Ködeltalsperre. Als ich das Örtchen erreiche und an der ansässigen Backstube vor- beimarschiere, bemerke ich, dass ich ohne Frühstück gestartet bin. So früh wäre es auch eher ein Nachtmahl gewesen, und die Zeit drängt. Ich verlasse den Hubertus-Weg und gehe weiter über einen Feldweg. Dieser führt direkt auf den Nurner Brocken. Mich erwartet ein künstlicher Steinflur, der aus dem Abraum von Stra- ßenbauarbeiten entstanden ist. Das Material wurde hier sinnvoll genutzt und mit den Steinmassen ein Biotop für seltene Tiere und Pflanzen geschaffen. 3.000 Lastwagenfahrten waren nötig, um dieses Areal zu gestalten, das vor allem der seltenen Schlingnat- ter gefallen sollte. Außerdem ist ein Aussichtspunkt entstanden, der dazu einlädt, die ersten und letzten Sonnenstrahlen des Ta- ges zu genießen. Ich erreiche mein Ziel pünktlich. Kurz nach fünf Uhr soll die Sonne den Horizont überschreiten. Bevor ich aber die ersten Strahlen sehe, muss die Sonne noch etwas weiter steigen, um über die bewaldeten Hügel des Frankenwalds zu reichen. Ich nutze die Zeit für ein Frühstück in der Dämmerung und lausche dem Gesang der Singvögel, die das Aufgehen der Sonne lauthals und melodisch kommentieren. Und dann, ganz plötzlich, beginnt der Frankenwald zu glühen. Die Sonne wandert über die Wipfel und taucht die höchsten Baumspitzen in ihr warmes leuchtendes Orange. Wie auf Kommando weht ein warmer Wind über den Nurner Brocken, und das Licht arbeitet sich weiter vor, bis zu den Spitzen der niedrigen Bäume und Gräser. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.

Der Sonne durch den Frankenwald folgen

Müde, aber zufrieden kehre ich zu meinem Zelt zurück. Die Sonne hat es noch nicht in das Leitschtal geschafft, und die Luft ist noch entsprechend kühl und frisch. Aus den anderen Zelten drängen die ersten ver- schlafenen Geräusche. Ich habe meine Sachen schon fast fertig zusammengepackt, als sich der erste gähnende Zeltbewohner an der Feuerstelle seinen Kaffee

kocht. Von meinem Erlebnis auf dem Nurner Brocken motiviert, möchte ich der Sonne weiter durch den Frankenwald folgen. Mei- ne Route soll dabei der Hubertus-Weg bleiben. Seine Schilder mit der Aufschrift „RT-25“ führen mich vom Leitschtal über die Hu- bertushöhe bis zur Ködeltalsperre und wieder zurück nach Nurn, das zur Gemeinde Steinwiesen gehört. Nach einem konstanten Anstieg ist die Hubertushöhe erreicht. Die dortige Gastwirtschaft, der urige Waldgasthof Hubertushöhe war früher ein Forstamtsgebäude und bewirtet nun Gäste mit regionaler Küche und urig-fränkischem Ambiente. Hier ist auch direkt der höchste Punkt des Weges erreicht. 596 Meter über dem Meeresspie- gel liegt der bewaldete Hügel. Dass der weitere Weg nun ab- wärts führt, war also zu erwarten.

Info:

WANDERN

Für weitere Entdeckungen und Tourenvorschläge im Frankenwald bietet die Webseite von Frankenwald- Tourismus eine übersichtliche Zusammenstellung aller Fern- und Rundwanderwege. Erwähnenswert sind hier der FrankwaldSteig mit seinen 243,5 Kilometern rund um den Frankenwald und die (Halb-)Tagestouren der FrankenwaldSteigla, die in der ganzen Region verteilt sind. Ein jährliches Highlight ist der Frankenwald- Wandermarathon, bei dem sich Wanderbegeisterte aus ganz Europa in der Region treffen. Mehr dazu unter:

www.frankenwald-tourismus.de

Die ganze Geschichte finden Sie in Ausgabe 6/22, zu bestellen bei uns im Shop.

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