Lüneburg: Stadt auf Salz

Während sich Stadtwanderer horizontal durch Lüneburg bewegen, bewegt sich die Hansestadt vertikal. Allerdings im Schneckentempo: Die westliche Altstadt senkt sich jährlich um zwei Zentimeter, der Kalkberg steigt dagegen drei Millimeter empor. Der Grund: Die Stadt ist auf Salz gebaut.

Text: Beate Wand

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Im Wasserviertel von Lüneburg: Die Kai­anlagen an der Ilmenau mit dem Alten Kran und ehemaligen Speichern wandelte sich zur beliebten Kneipenmeile.
© Beate Wand

Schiefe Mauern fallen ins Auge, man wundert sich über bauchige Häuser und umgeknickte Gartentore, Kuhlen wollen durchschritten werden: Lüneburg ist eine bewegte Stadt! Sie gründet auf Salz. Da laugt jeder Tropfen Wasser den Untergrund aus. Hohlräume entstehen. Die Gesteinsschichten darüber geben allmählich nach, alles sackt. In der westlichen Altstadt wogen die Fensterreihen an den Fassaden und die Balken im Fachwerk der eng aneinandergebauten Backsteinhäuschen regelrecht auf und ab, schwingen parallel mit der Bordsteinkante und der gesamten gepflasterten Gasse. Schiefe Säulen stützen die Michaeliskirche – noch. Großflächig sinkt das Viertel jedes Jahr um zwei bis drei Zentimeter ab. In 50 Jahren wird es noch einen Meter tiefer liegen. Zusätzlich zu dem schleichenden Prozess stürzte mancherorts ein Erdtrichter ein. Wie beim Erdfall vor genau tausend Jahren dort, wo die Untere Ohlingerstraße und Hinter dem Brunnen die Straße Auf dem Meere kreuzen. Dieses Gässchen liegt, wie seine Name sagt, tatsächlich „auf dem Meere“: auf einem Urmeer in 4.000 Meter Tiefe. Das Salz ist dessen Überbleibsel. Die Last der Schichten darüber erzeugte Wärme; so löste sich der Meeresrest auf und konnte in die Risse von Gesteinsschollen hineinfließen. In Lüneburg treffen verschiedene Schollen aufeinander, so dass sich ein Salzkeil wie ein umgedrehter Eiszapfen aus einer Kluft hochschob. Mit Helgoland und Bad Segeberg ist Lüneburg also die einzige Stelle in der norddeutschen Tiefebene, wo es ein Salzstock aus dem Erdinnern bis ganz nach oben geschafft hat.

Wie die Wildsau die Lüneburger reich machte

Dass die Lüneburger diesen Umstand auch bemerkten, verdanken sie der Sage nach einer Wildsau. Die Jäger entdeckten weiße Salzkörnchen in ihren Borsten. Sie verfolgten die Spur des erlegten Tieres zurück bis zur Suhle in den Sümpfen, wo sie dann auf die kostbare Solequelle stießen. Fons ist das lateinische Wort für ­Quelle. Der Lüneburger Spruch „Mons, Pons, Fons“ zählt die drei Keimzellen auf, aus denen Lüneburg seit dem 8. Jahrhundert zusammenwuchs, bis es 1247 das Stadtrecht erhielt: Um die Saline siedelten die Arbeiter im Sülzviertel. Das Sandviertel entstand zwischen der Brücke – (Pons) – über die Ilmenau und dem großen Platz Am Sande. Mit Mons (lat. Berg) ist der Kalkberg gemeint, auf dem ursprünglich – strategisch günstig gelegen – die „Hliuniburg“ Zuflucht bot.

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1.000 Jahre lang bestimmte das Salz das Leben der Lüneburger. Das Salzwerk war bis 1980 einer der ­ältesten und größten Industriebetriebe Europas. Im Salzmuseum kann man sehen, wie das Salz befördert wurde.
© Beate Wand

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 02 / 2013

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