Belgische Ardennen: Auftanken an der Semois

Die Mischung aus wilden Flusstälern, ­dichten Laubmischwäldern und schmucken Bauern­dörfern öffnet die Seele weit und lässt den Alltag abschütteln. Entlang der Semois in der belgischen Wallonie liegen herrliche Genießer­pfade in einer eindrucksvollen ­Natur- und Kulturlandschaft.

Text: Edda Neitz

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Die Semois windet sich in zahlreichen Schleifen rund um die belgische Stadt Bouillon, die zu den ­schönsten des Landes zählt.
© IMAGO

Die Semois wird allgemein als der schönste Fluss der wallonischen Ardennen bezeichnet. In zahlreichen Windungen schlängelt sie sich von Arlon an der luxemburgischen Grenze durch die steilen Hänge der ­Ardennen und mündet im französischen Monthermé in die Maas. In grüner Einsamkeit tauchen hin und wieder Dörfer auf, die das malerische Flussufer unterstreichen. Mächtige Burgen und Ruinen zieren die hohen Bergplateaus.

In einer weiten Flussschleife liegt die Stadt Bouillon, die aufgrund ihrer Bilderbuchlage mit dicht bewaldeten Uferhängen und einer imposanten Festung auf den Bergkuppen oberhalb der Stadt zu den attraktivsten touristischen Zentren in den südlichen ­Ardennen zählt. Die älteste belgische Burg war auch die Heimat von Godefroy de Bouillon, der als Anführer des ersten Kreuzzuges von 1061 großen Ruhm erlangte. Über 600 Jahre hinweg prägte militärische Geschichte das Bauwerk. Der Ausbau, so wie er heute noch vorhanden ist, entstand mit der Belagerung der Franzosen im 17. Jahrhundert. Häuser, die damals von den bretonischen Soldaten mit ihren Familien bewohnt wurden, schmücken noch immer die verwinkelten Gässchen der Altstadt unterhalb der Burganlage. ­Bezeichnenderweise heißt das Viertel auch „Quartier de Bretagne“.

Zwischen Felsen und Flussufer drängen sich in der pittoresken Altstadt zahlreiche Restaurants und Cafés. Darunter auch die Patisserie von Philippe Legrand, dessen schmackhafte Obst-Tartes sehr beliebt sind. Wer es lieber herzhaft möchte, sollte den luftgetrockneten Ardennerschinken und den cremigen Orvalkäse vom gleichnamigen Kloster, circa 30 Kilometer von Boullion entfernt, wählen. Dazu ein Trappistenbier. Doch nicht nur die kulinarischen Genüsse tragen zum guten Ruf der wallonischen Region bei, auch die waldreichen Gebirgszüge mit abwechslungsreichen Wegen werden von den Wanderern sehr geschätzt.

Zauberhafte Wälder und imposante Bauten

Felsen, Wasser und Wälder prägen die rund 20 Kilometer lange Rundtour (markierter Wanderweg Nr. 8) von Bouillon nach Dohan und zurück. Von der Brücke „Pont de France“ in Bouillon führt der Weg erst einmal durch den tiefen Wald. Gemächlich und kristallklar schimmernd, begleitet die Semois den Wanderer ein Stück. Ohne nennenswerte Steigungen erreicht man das Schloss Dohan, das sich hinter hohen Hecken direkt am Fluss verbirgt. Im 17. Jahrhundert erbaut, kontrollierte man hier einst die Furt durch die Semois, heute ist das herrschaftliche Anwesen in Privatbesitz. Der Weg zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung führt auf der anderen Flussseite entlang, wieder größtenteils auf Pfaden durch Waldgebiete.

Egal ob auf dem Wasser – bei Kajakfahrern ist der Fluss mit seinen urwüchsigen Ufern sehr beliebt – oder zu Land, mit ein bisschen Glück kann der Besucher wunderbare Tierbeobachtungen machen. Manchmal sind Graureiher bei ihrer Jagd oder Schwarz- und Rotwild beim Streifen durch ihr Revier zusehen. Manchmal verrät ein Eisvogel seine unmittelbare Nähe durch seinen eindringlichen „Ti-it“-Ruf.

In der Semois-Region begleiten den Wanderer auf Schritt und Tritt besondere Erlebnisse. Idyllisch und wie es sich für ein Kloster gehört, liegt die Abtei Notre-Dame de Clairefontaine in einem stillen Winkel im Tal des Gewässers. Hier bieten Zisterzienserinnen in einem Klosterladen regionale Köstlichkeiten an. Etwas stromaufwärts, nahe dem Dorf Botassard, windet sich die Semois mit ­einer besonders engen Schleife fast komplett um einen waldreichen ­Hügel mit einer kleinen Auenlandschaft. Diese Ansicht hat schon immer die Phantasie der Menschen angeregt und zu der ­sagenumwobenen Bezeichnung „Grab des Riesen“ geführt.

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Trappistenbier, ein von Mönchen gebrautes Bier, hat Tradition. Dazu wird gern der Ardennerschinken gegessen.
© Emmanuel Mathez

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: wanderlust Nr. 05 / 2013

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